Geh reisen, genieß die Zeit, mach was draus...
Diese Sätze hört man oft, diese Sätze sagt man auch oft selbst, aber irgendwie klingen sie zu leicht. Reisen ist nicht immer einfach, locker und easyliving. Reisen kann auch anstrengend werden/ sein.
Es gibt manchmal Momente, wo man einfach merkt, dass man bei Jemanden wohnt, dass es nicht einem selbst gehört, dass die Zeit auch nur begrenzt ist, dass es ein Arrangement ist. Manchmal sind da einfach diese Grenzen, manchmal sind sie klein und vielleicht auch für andere nicht zu verstehen oder dumm, aber da sind die Momente. Man kann zum Beispiel keine Blumen kaufen, weil es keinen Sinn hat, weil man in 2 Wochen wieder weg ist, weil man keinen Topf und Erde hat, wie zu Hause, noch nichtmal eine "eigene" Gießkanne. Es gehört anderen, nicht einem. Sie kümmerten sich immer um die Blumen und werden es auch tun, wenn man selbst weiter gezogen ist zu einem anderem neuen Zuhause auf Zeit. Einem neuen Platz, wo man andere Sachen entdecken kann, auf die Suche gehen kann, Bilder machen kann und sie euch zeigen kann, doch auch da wird man keine Blume kaufen, die man einpflanzen könnte und die man wachsen sehen würde. ZuHause, da wo ich weggegangen bin am Anfang, da habe ich Blumen, da habe ich die Erde, die nur ich benutze und Töpfe, doch diese Blumen gießt jemand anderes gerade und kümmert sich drum. Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich sie wie in meinem Osterbesuch, umpflanzen, gießen und anschauen kann. Sie werden wieder gewachsen sein, denn es ist Zeit vergangen und ich freue mich, ich freue mich auf meine Blumen und auf die Menschen, die sie gießen. Es wird Zeit. Ich glaube ich habe Momente, wo ich diesen Zustand des-nichtBlumenkaufen können, doch satt habe.
Doch das sind nur Momente, da gibts auch andere, wie man die Möglichkeit erhält seine Situation, seine Emotionen und einfach sein ZuHause auf Zeit teilen zu können. So wie letze Woche. Charlotte war hier und hat über mir im Hochbett geschlafen, ihre Klamotten auf den Sessel geworfen, wo auch mein roter Pulli vom Charityshop jetzt gerade liegt oder die Fensterbank als Handyablage genutzt, dort wo auch der Käse von der letzen Farm liegt, den ich in Schottland mit Papa teilen möchte. Zu dem es eine Geschichte, ein Gesicht einer walisischen Frau gibt, die mir sagt, dass ich mit Beobachtungen keine Sprache lerne, dabei habe ich einfach sie und ihre walisische Art beobachte, wie sie mit dem Türken nebenan redet und die nationalistischen Politiker empfangen kann, weil sie Walisierin ist und nicht wie Sharon meine Hostmama, eine Engländerin. Es gibt einen Konflikt in Wales, eine andere Sprache und Schilder, die umgedreht werden, damit englische Touristen verwirrt werden. Es muss aufgepasst werden. Es ist eine Atmosphere, die ich so noch nie erlebt habe und auch nicht möchte, man muss auf seine Schritte aufpassen und immer überdenken, was man sagt. Doch trotzdem liebt sie es da zu leben, diesen wunderschönen Blick genießen zu können und diese Probleme manchmal zu verkleinern können. Sie kämpft weiter. Gleich neben dem Käse liegen die Busplane hier fürs Tal, die Charlotte und ich vergessen haben und so 2 Stunden auf den nächsten Bus warten mussten um nach York zu kommen. Doch es hat sich gelohnt. Ob wir nach London in so einer Stadt studieren können, haben wir vorher nicht gedacht und York auch erst nicht ganz so gemocht, doch wir kamen uns näher. Wir, die Stadt und ihre Größe. Auch wurden wir als Team getestet. Da war dieser Kirchturm, den wir erklimmen wollten. Es wurde gewahnt, diejenige die Claustrophie haben sollten es sich 2mal überlegen. Ich wollte da hoch, ich wollte York von oben sehen. Doch es wurde ein wenig die Höhle für mich. Der Turm war eng, dunkel und hörte nicht auf, ich bekam einen kleinen Anfall, ich war geschockt, rot und aufgewühlt, ich wollte wieder runter, denn die Plattform oben, war klein, eingezäunt und nur der kleine Weg, den ich hochgekommen war, war da. Also wieder dadurch. Doch vorerst wollte der Mann mit Atemproblemen runter,nein das stimmt nicht, er wollte mich vorlassen, doch ich bat ihn erst zu gehen. Ich musste also warten gewollt und doch ungewollt. Es war die Höhle. Und dann wieder zurück. Ich kann euch nicht mehr sagen mit was ich Charlotte voll geredet habe. Es war irgendwas vom Jakobsweg, doch ich weiß immernoch das Gefühl, als ich unten war, als ich es geschafft hatte und doch gleichzeitig immernoch so geschockt war von meinem eigenen Schock in diesem Turm. Das möchte ich nie wieder erleben. Ich überlasse euch jetzt die Türme. Mir reicht schon der Greenwhichtunnel unter der Themse, der noch recht weit ist. Aber mehr bitte nicht. Und da ist da doch der Moment, wo Charlotte nochmal auf die Toilette muss, kurz bevor der Zug einfährt, alle einsteigen, alle Plätze also weg sind, doch Lotte nicht zu sehen ist, ich vor dem Zug warte, damit sie mich findet und ich sie verärgert anschaue und sie nur sagt, komm wir suchen uns 2 einzelne Plätze nah beiander und "Lina, wirst du müde?", dann wirst du immer so nörgelich. Und ich merke, wie sehr sie mich kennt, mich schon lesen kann. Auch das ist ein Teil des Reisens.
Doch gleichzeitig denkt man auch viel an und über die Leute nach, die einen schon lange lesen können und einen kennen und die man wieder mal durch die Haarestreicheln oder diesen einen Blick sehen möchte und lesen kann. Da sind die ZuHause bei den Blumen und da sind die, die selber gerade keine eigenen Blumen kaufen können, denen man schreibt. Viel Spaß noch auf den letzen Metern, ich freue mich, wenn wir uns bei den Blumen treffen. Unseren Blumen.
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